Sharing Stories
Wenn Menschen sich Geschichten erzählen, entsteht ein Augenblick von gemeinsamer Nähe und aufmerksamen Zuhörens. Sharing Stories erforscht das Erzählen von Geschichten sowie Zeichnen und Publizieren als künstlerische Mittel, um Austausch zu fördern – einerseits zwischen den Generationen und andererseits über Ländergrenzen hinweg.
Das Projekt umfasst drei Zyklen, jeweils in einer peripheren Region im Südkaukasus und in der Schweiz: Im ersten arbeiteten die beteiligten Künstler*innen im Toggenburg und in Arasadzikh/i, im zweiten in Tuschetien und im Val Müstair, im dritten in Lori und im Jura. Vor Ort wurde jeweils ein umfassender Austausch mit Menschen aus der Region gepflegt: mit Kindern und Bildungsverantwortlichen, Kulturschaffenden und Handwerker*innen sowie mit Personen aus Landwirtschaft und Ökologie. Künstlerisch verantwortet wurden diese Prozesse jeweils von Künstler*innen aus den beteiligten Regionen.
Sharing Stories II – Erzählformen wandern
Im zweiten Zyklus von Sharing Stories wurde das Ziel, Erzählen, Zeichnen und Publizieren als künstlerische Werkzeuge zu nutzen, um das Erproben unterschiedlicher Formate des Austauschs – von Puppenspiel bis zu Küchengesprächen – erweitert.
Im Juli 2025 verbrachten wir im Rahmen der zweiten Ausgabe von Sharing Stories eine Woche in Omalo, in den Bergen von Tuschetien. Obwohl die Region im Sommer Tourist*innen anzieht, bleibt sie eine Randregion im Grossen Kaukasus, angrenzend an Dagestan und Tschetschenien. Viele der rund 30 Kinder, die den Sommer über im Dorf leben, nahmen an den Workshops teil, die von der neunköpfigen Künstler*innengruppe vor Ort vorbereitet wurden. Im Fokus stand das Erkunden von Mythen, um herauszufinden, wie universell grosse Erzählungen sind. Parallel entstanden aus verschiedensten Materialien Figurinen: Pferde, mythologische Wesen, Fantasiewesen, Freund*innen – mitsamt passender Kulissen. Zum Abschluss präsentierten die Künstler*innen gemeinsam mit den Kindern einer erweiterten Gästeschar ein improvisiertes Puppentheaterstück.
Im Oktober 2025 war die Gruppe von Künstler*innen im Val Müstair zu Gast, einer abgelegenen Bergregion der Schweiz an der Grenze zu Italien. Hier wurde nicht nur über die verschiedenen Dörfer im Tal hinweg gearbeitet, sondern auch mit weiteren Formaten des Austauschs experimentiert – was geschieht, wenn Kunstschaffende mit Menschen aus dem Tal und deren Geschichten im Garten, in der Küche oder in einer hsitorischen Mühle ins Gespräch kommen? Die Kunstschaffenden und Beteiligten aus dem Tal setzten sich mit den unterschiedlichen Ebenen von Geschichten auseinander: von Mythen, die in den Sgraffiti zu finden sind, über historische Erzählungen rund um die Kultur des Tals bis hin zu persönlichen Geschichten, die zugleich die Universalität des Menschseins ansprechen. Zum Abschluss des Projekts wurde ein zweitägiges Open Studio organisiert, in dessen Rahmen Workshops mit Siebdruck und der Verarbeitung von Wolle stattfanden. Ausserdem wurde eine Lesung in Deutsch und Georgisch performt und die Besucher*innen konnten den Kunstschaffenden beim Arbeiten und im Gespräch zusehen.
Ort und Jahr
Tuschetien und Val Müstair, Kanton Graubünden 2025
Teilnehmende
Tuschetien
Val Müstair
Schwester Domenica (Kloster St. Johann), Angela und Flurina Giacomelli (Center da sandà Val Müstair, Verein Pumptrack), Pascal Lampert (Künstler), David Spinnler (Biosfera Val Müstair), Christiane Stemmer and Laurent Ritter (Muglin Mall), Lucrezia Züst-Toutsch (Coiffeuse und Verein Samariter)
Kunstschaffende
Claudia Barth
Tamuna Chabashvili
Alex Chigvinadze
Nana Eliboshvili
Ana Janelidze
Yvonne Rogenmoser
Sara Sayed (Tuschetien, Juli 2025)
Esther Schena (Val Müstair, Oktober 2025)
Pia Valär
Yasmin Kiss (Gast)
Projektleitung
Tamara Janashia (artasfoundation)
Mara Züst (artasfoundation)
Partnerorganisationen
Atelier K18a und Zurlinden, Zürich
Chastè da Cultura, Fuldera
Finanzieller Beitrag
Max Kohler Stiftung
Gamil Stiftung
Caritatis Stiftung
Sharing Stories I – Wenn Bilder auf Reisen gehen
Wenn Grosseltern ihren Enkel*innen Gutenachtgeschichten erzählen, entsteht ein Augenblick von gemeinsamer Nähe und aufmerksamen Zuhörens. Sharing Stories erforscht das Erzählen von Geschichten sowie das Zeichnen und das Veröffentlichen als künstlerische Mittel, um Austausch zu fördern – einerseits zwischen den Generationen und andererseits über Ländergrenzen hinweg.
In der ersten Ausgabe der Projektserie Sharing Stories arbeiteten wir im Oktober 2024 mit der Dogo Residenz und der Monterana Schule in Degersheim und in Lichtensteig zusammen. Die Fortsetzung des Projektes fand im September 2025 in Zusammenarbeit mit der lokalen Schule in Arasadzikh/i and mit dem Kunstraum SKLAD in Suchum/i statt. In beiden Regionen – Toggenburg und Abchasien1 wurden lokale Geschichten zwischen den ansässigen Familien, insbesondere deren Kindern, und den teilnehmenden Kunstschaffenden geteilt.
In Degersheim und Lichtensteig erstellten die Schulkinder mündliche und visuelle Dokumentationen unter Verwendung verschiedener Methoden wie Schreiben, Zeichnen und Tonaufnahmen. Das Resultat der ersten Phase mit den Kindern der Monterana-Schule wurde am 26. Oktober 2024 im Rathaus für Kultur in Lichtensteig präsentiert. Die mehrere Meter lange kollaborative Zeichnung wurde später am Artas Community Event im Kulturbüro Zürich ausgestellt, wo sie danach weiterhin zu sehen war, bis sie ihre Reise in Form von digitalen Scans nach Abchasien fortsetzte.
Da es den Kunstschaffenden mit Schweizer Pass nicht möglich war, nach Abchasien zu reisen, wurde das Projekt in den digitalen Raum erweitert. Diese äusseren Umstände verhinderten eine persönliche Zusammenarbeit der Künstler*innen während der zweiten Projektphase. Dies hatte erheblichen Einfluss auf den Prozess. Die Kunstschaffenden entwickelten diverse Strategien der Zusammenarbeit: Workshops wurden parallel durchgeführt, Material wurde ausgetauscht und wiederverwendet, die Kommunikation wurde intensiviert und auch der digitale Raum wurde eingenommen – durch die Gestaltung einer Webseite.
In der zweiten Phase wurden die künstlerischen Methoden – Schreiben, Zeichnen, Erstellen von Collagen, Zines und Tonaufnahmen – erweitert durch spezielle Drucktechniken und Videoaufnahmen. Diese Herangehensweisen wurden wiederum zur Erstellung mündlicher, visueller und akustischer Dokumentationen verwendet. Das entstandene Material wurde zusammen mit Briefen und kleinen Objekten zwischen den Kindern, jungen Menschen und den Künstler*innen in den beiden Regionen ausgetauscht, erkundet und als Grundlage für weitere künstlerische Arbeiten und grenzübergreifenden Austausch verwendet.
Das gesamte Projekt wurde schliesslich am 14. September 2025 im lokalen Kunstraum SKLAD in Suchum/i präsentiert und von einem grossen Publikum begeistert aufgenommen. Die Ausstellung umfasste eine Collage aus gescannten Fragmenten des ursprünglichen mehrere Meter langen Wandbildes aus dem Toggenburg, das als „Leinwand“ für die teilnehmenden Schulkinder diente und – inspiriert vom Namen des Dorfes Arasadzikh/i – als eine Art grosser Wasserfall ausgestellt wurde.
Ort und Jahr
Toggenburg, Lichtensteig und Arasadzikh/i, 2024–2025
Teilnehmende
Oktober 2024 (Monterana Schule, Degersheim)
Anna, Anouk, Arveen, Delia, Emma, Emma, Flavia, Gianna, Josine, Leandra, Leana, Lia, Lina, Loan, Loana, Louisa, Mira, Nael, Nayeli, Nela, Norah, Patrizia, Ronja, Ryuna, Valentin
September 2025 (Arasadzikh/i)
Shabat, Anna, Sofia, Illaria, Saida, Amanda, Bagrat, Akhmat, Milana, Saria, David, Said, Aynar, Murat, Victoria, Vlada, Saria, Naur, Sabina, Esnat, Daur, Valeria, Miranda, Madina, Mirana, Arinda, Kami
September 2025 (Monterana Schule, Degersheim)
Marina, Louisa, Luisa, Erina, Anna-Lia, Emma, Levio, Ryuna, Aien, Alex, Nina, Jan, Emma, Maira, Lina, Nala, Josine
Künstler*innen
Sara Berweger, Claudia Blum (2025), Salima Gerzmava, Maktina Gogiia, Henrik Hentschel (2025), Marcel Hörler, Sabina Kvarcheliya, Olivia Jaques, Lika Nüssli (2024), Alina Shamba, Mara Züst
Projektleitung
Olivia Jaques (artasfoundation, 2024–2025)
Elena Brülhart (artasfoundation, 2025)
Lokale Projektorganisation
Maura Kressig (Dogo Residenz, Oktober 2024)
Maktina Gogiia (Arasadzikh/i, September 2025)
Evaluation
Piyusha Sumanapala (artasfoundation, 2025)
Partnerorganisationen
Monterana Schule
Arasadzikh/i Schule
Dogo Residenz
SKLAD
Finanzieller Beitrag
Kanton St. Gallen
Kultur Toggenburg
Ernst Göhner Stiftung
Temperatio Stiftung
¹artasfoundation betont, dass die Nutzung von Bezeichnungen und Namen, besonders im Hinblick auf die Konfliktregionen, nicht als Anerkennung oder Nichtanerkennung durch die Stiftung ausgelegt werden sollen. Sie haben in diesem Zusammenhang keinerlei politische Konnotationen.