Tbilisi Crossroads
Tbilisi Crossroads Community
Im Anschluss an die Tbilisi Crossroads Kunstresidenz (August 2024, Racha/Georgien) kamen sieben der elf teilnehmenden Künstler*innen Mitte September 2025 erneut zusammen und widmeten sich den Themen Gemeinschaft (community) und Zusammenarbeit. Einige der Künstler*innen lebten nach wie vor in Tiflis, andere waren inzwischen weggezogen und kehrten für dieses Wiedersehen zurück. Nach mehreren Online-Treffen zur Vorbereitung und zum Austausch entwickelten sie ein Programm bestehend aus verschiedenen künstlerischen Praktiken und luden andere Kunstschaffende sowie die lokale Öffentlichkeit ein, sich durch Bewegung und informellen Dialog einzubringen. Ziel war es, sich gegenseitig, andere Künstler*innen sowie die lokalen Bewohner*innen zu unterstützen und mit kreativen Ausdrucksformen auf aktuelle gesellschaftliche Themen zu reagieren.
In den dreizehn Monaten zwischen der Residenz und dem Wiedersehen der Gruppe durchlief Georgien tiefgreifende Veränderungen: Seit den Wahlen 2024 verstärkte sich die politische und gesellschaftliche Spaltung, zugleich kam es zu anhaltenden Protesten als Reaktion auf den wachsenden Druck auf die Zivilgesellschaft.
Unter diesen schwierigen Bedingungen erschien es artasfoundation undenkbar, das Projekt ohne eine inhaltliche Anpassung fortzuführen. Wir fragten daher die sieben Künstler*innen, ob sie mit ihren diversen künstlerischen Praktiken einen Beitrag für die lokalen Communities in Tbilisi leisten könnten, welcher der veränderten Realität gerecht würde. Als Menschen mit unterschiedlichen künstlerischen Hintergründen und Erfahrungen von Konflikten in anderen Kontexten boten sie in Zusammenarbeit mit acht weiteren in Tbilisi lebenden Künstler*innen an, verschiedene künstlerische Interventionen zu realisieren, von denen die meisten zwischen dem 14. und 28. September 2025 umgesetzt wurden. Diese intensive Projektperiode wurde zudem von der Journalistin Nini Gabritchidze begleitet.
Das Programm im September umfasste: die Ausstellung Reality vs Reality von Anna Vasylioglo und David Grigoryan, die Präsentation des im Rahmen des Projektes realisierten Art-Zines Decision: Other Cases von Danya Dvinskih – eine künstlerische Auseinandersetzung mit seinem Einreiseverbot nach Georgien – sowie partizipative Stadtspaziergänge von Hanna Sokur, Oksana Yushko und Volha Kavalskaya, die neue Perspektiven auf Wahrnehmung, Demokratie und Empathie eröffneten. Ausserdem beinhaltete das Programm verschiedene Vorträge und Präsentationen, darunter Fragility of Belonging zum Thema „Homing“ von Hanna Seliazniova und Selective Empathy: From Bialowieza Forest to Georgia’s Borders von Volha Kavalskaya.
Diese künstlerischen Beiträge wurden durch eine Vielzahl von Workshops zu Körper- und Bewegungspraktiken ergänzt (geleitet von Eteri Rousselle, G., Hanna Sokur, Jonathan Rousselle, Natia Chikvaidze und Davit Khorbaladze, kuratiert von Natia Chikvaidze / PlazmPlatform). Zusätzlich wurden Workshops für Jugendliche angeboten – in Zine‑Making (Xaraxura) und Keramik (Anna Khmaladze). Die körper- und bewegungsbasierten Workshops wurden über die intensive Septemberzeit hinaus fortgeführt und fanden bis zum Jahresende im lokalen Performing-Arts-Space PlazmPlatform statt, was ein vertieftes Lernen der Praktiken ermöglichte.
Ort und Jahr
Tbilisi, 2025
Teilnehmende Künstler*innen
Anna Khmaladze, Anna Vasylioglo, Danya Dvinskih, David Griogoryan, Davit Khorbaladze, Eteri Rousselle, G., Hanna Seliazniova, Hanna Sokur, Jonathan Rousselle, Natia Chikvaidze, Nini Gabritchidze, Oksana Yushko, Volha Kavalskaya, Xaraxura Press (Giorgi Kikoria und Mariam Kakhniashvili)
Projektleitung
Tamara Janashia (artasfoundation)
Olivia Jaques (artasfoundation)
Piyusha Sumanapala (artasfoundation)
Projektpartnerin
PlazmPlatform
Dokumentation
Saba Shengelia, Olivia Jaques, Piyusha Sumanapala, Tamara Janashia
Finanzielle Unterstützung
Stiftung Smartpeace
Tbilisi Crossroads Art Residency
Die Kunstresidenz im Rahmen des Projekts Tbilisi Crossroads fand vom 8. bis 18. August 2024 in einer der schönsten Gegenden Georgiens, auf dem Gelände von Arteli Racha im Dorf Chkvishi, statt. Sie brachte 11 Künstler*innen aus Georgien, der Ukraine, Belarus, Russland, Polen, Palästina und Japan zusammen, die derzeit in Georgien leben. Sie wurden aus einem Pool von 49 Bewerber*innen ausgewählt und repräsentierten verschiedene Bereiche wie die bildende und darstellende Kunst, Musik sowie interdisziplinäre Sektoren.
In den letzten Jahren ist Georgien, selbst ein Land in einer schwierigen politischen Lage, zur Heimat mehrerer Gemeinschaften geworden, die aus unterschiedlichen Gründen hierhergekommen sind: für die Gelegenheit, während und nach der COVID-Zeit online zu arbeiten, um gute wirtschaftliche und rechtliche Bedingungen für digitale Nomaden zu nutzen oder aufgrund von aktuellen Entwicklungen in den postsowjetischen Regionen, wie dem grossangelegten Krieg zwischen Russland und der Ukraine oder dem bewaffneten Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan, um nur einige zu nennen. Obwohl Georgien zu einem Schmelztiegel kreativer Ideen wurde und Menschen mit unterschiedlichen kreativen Hintergründen und Erfahrungen zusammenbringt, arbeiten Neuankömmlinge und Einheimische oft in ihren eigenen Blasen, ohne wesentliche Berührungspunkte. Daher teilen sie ihre kreativen Produkte nur innerhalb spezifischer Gruppen, die jeweils in ihren parallelen Welten leben und arbeiten.
Die Residenz versuchte, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit in diesen fragilen Zeiten zu erkunden, indem künstlerische und menschliche Erfahrungen geteilt wurden, Initiativen von Künstler*innen untersucht und Wege ihrer unabhängigen und individuellen Entwicklung besprochen wurden. Zudem standen drängende soziale und kreative Fragen im Mittelpunkt der Diskussionen. Im Idealfall soll ein gemeinsames Projekt aus der Residenz entstehen.
Tbilisi Crossroads war darauf ausgelegt, einen Kontext und einen sicheren Raum zu schaffen, in dem den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben wurde, ein professionelles Netzwerk aufzubauen, um die internationale Reichweite der künstlerischen und kulturellen Praxis zu unterstützen und diese inklusiver zu gestalten – unter dem thematischen Rahmen des „künstlerischen Kabaretts“. Das Programm umfasste Werkpräsentationen aller Teilnehmenden mit besonderem Fokus auf dem soziokulturellen Kontext, der ihre Arbeiten inspirierte, Workshops, die die Teilnehmenden sich gegenseitig anboten, eine Exkursion zur Erkundung des lokalen kulturellen Kontexts von Ambrolauri und Oni, Fachvorträge über künstlerische Kabaretts, Filmvorführungen sowie Diskussionen vorab ausgewählter theoretischer Texte und Artikel.
Tbilisi Crossroads wurde gemeinsam von der artasfoundation und der Untitled Gallery Tiflis durchgeführt.
Ort und Jahr
Arteli Racha, Chkvishi, 2024
Teilnehmende
Hanna Sokur, Hanna Seliazniova, Volha Kavalskaya, Natia Chikvaidze, Salomeya Bauer, Danya Dvinskih, Mayana Nasibullova, Oksana Yushko, Anna Vasylioglo, Takumi Yoshida, Zukaa
Projektleitung
Giorgi Rodionov
Dagmar Reichert (artasfoundation)
Tamara Janashia (artasfoundation)
Eingeladene Expert*innen für Online-Gespräche
Giorgi Kikoria
Mass’Art Tunesien
Mia Hull
Thea Tabatadze
Partnerorganisation
Untitled Gallery
Finanzielle Unterstützung
Stiftung Smartpeace