Kunst im Wiederaufbau

Tskaltubo Hot Pots

Zwei Schweizer Künstlerinnen und eine Köchin aus Deutschland entwickeln 2016 das Tskaltubo-Hot-Pots-Projekt. Sie haben im Jahr davor in Tskaltubo das Art Festival besucht und sind neugierig geworden, wie sie mit den an diesem Ort angesiedelten, aus Abchasien¹ geflüchteten Menschen am besten in Austausch treten könnten.

Tskaltubo, ein in der Sowjetzeit berühmter Thermalkurort, liegt in den Ausläufern des Kaukasus in der georgischen Provinz Imeretien. Seit 2013 organisiert artasfoundation dort jährlich ein Kunstfestival mit Kulturschaffenden aus Georgien und dem Ausland.

1993 waren ca. 12’000 Geflüchtete aus dem Sezessionskrieg zwischen Abchasien und dem Rest von Georgien in den ehemaligen Sanatorien von Tskaltubo provisorisch untergebracht worden. Anfangs wurden Mahlzeiten in den Hotelküchen zubereitet und kostenlos in den ehemals luxuriösen Speisesälen ausgegeben. Später richteten die Bewohner*innen auf ihren Balkonen und in den Bädern individuelle Küchen ein. Die Gemeinschaftsräume und die Speisesäle wurden nicht mehr benutzt, und aus den improvisierten Unterkünften mit Marmorsäulen wurden allmählich verfallende Behausungen mit undichten Dächern und zusammenbrechender Infrastruktur.

Hier entwickeln Monika Dillier und Andrea Saemann mit der Köchin Jennifer Mira Ackermann Tskaltubo Hot Pots. Unterstützt von artasfoundation setzen sie sich mit den Bewohner*innen einer dieser Unterkünfte, des Tskaltubo Sanatoriums, in Verbindung und laden eine Gruppe von 20 Kunstschaffenden aus Westeuropa zum Projekt ein. Mithilfe von Dolmetscherinnen hoffen sie, einen Platz für kulturellen Austausch und Begegnungen zu schaffen. Gemeinsam mit den Bewohner*innen wollen sie kochen, essen, zeichnen, sitzen und reden und so die Flure und leerstehenden Säle des Tskaltubo Sanatoriums in kollektiv genutzte Räume umwandeln.

Die Idee geht auf. Während des fünfwöchigen Projekts wird eine Küche installiert, gemeinsam gekocht, Rezepte werden ausgetauscht, und man isst täglich gemeinsam zu Mittag. Ein Zeichentisch wird gebaut, und es werden Bilder und Texte für ein Kochbuch produziert, das vor Ort gedruckt, kopiert und allen Teilnehmenden übergeben wird. Das ehemalige Kino des Sanatoriums, das sogenannte Klubi, wird für den Release der Publikation, die Präsentation des Projektvideos und ein Abschlussfest mit Bühne und Leinwand zu neuem Leben erweckt. Das ist die unmittelbar sichtbare Seite des Projektes. Doch es gibt noch eine andere Seite: Die Spuren der Begegnungen und des Austausches in den Köpfen und Herzen aller Beteiligten. Neue Einblicke, neue Impulse und vielleicht auch neue Freundschaften.

Blog zum Prozess
Projektpublikation (Georgisch/Deutsch)
Projektpublikation (Georgisch/Englisch)

Partner

Teilnehmende aus dem Tskaltubo Sanatorium
Ia Akhvlediani, Iago Akhvlediani,
 Otar Akhvlediani, Neli Akhvlediani, Marina Asatiani, Gia Bakradze, Teo Bandzeladze, Adelko Chakvetadze, Gulnazi Chanturaia, Nunu Chorgoliani, Daria Chorgoliani, Julieta Chorgoliani, Tsitso Tskhvaradze, Nino Gabidzashvili, Nora Kakulia,
 Nana Kharchilava, Naira Kirtadze, Lili Kopaliani, Gulveri Sulaberidze, Dali Tutitsani, Nino Meshveliani, Marta, Kotiko Meshveliani, Guliko Kurashvili

Teilnehmende Künstler*innen
Lukas Acton, Nicole Boillat, Lisa Fuchs, Ina Hess, Gisela Hochuli, Judith Huber, Jana Kischkat, Fränzi Madörin,
 Ruth Marx, Muda Mathis, Barbara Naegelin, Chris Regn,
 Marcel Schwald, Inga Shalvashvili, Sus Zwick

Dolmetscher*innen
Diana Murashko, Irakli Kuchava, Kristi Kutateladze, Khatia Jishkariani, Nini Tskhakaia

Projektleitung
Jennifer Mira Ackermann
Monika Dillier
Andrea Saemann

Partnerorganisationen
IDP Women’s Association of Tskaltubo (Leitung Lali Grigolava)
Tskaltubo Art School (Avto Djibuti)
Gallery Nectar, Tiflis (Nino Sekhniashvili)
Gruppe Tischgespräche, Basel

Publikation
Grafik: Edit (Nicole Boillat)
Umschlaggestaltung und Siebdruck: Lukas Acton
Lektorat: Jean-Marie Clarke, Tamara Janashia, Guliko Tsivtsivadze

¹artasfoundation betont, dass die Nutzung von Bezeichnungen und Namen, besonders im Hinblick auf die Konfliktregionen, nicht als Anerkennung oder Nichtanerkennung durch die Stiftung ausgelegt werden sollen. Sie haben in diesem Zusammenhang keinerlei politische Konnotationen.