Art Camp

Art Camp 2015 • Zemo Nikozi • Georgien

Die Art Camps sind Arbeitsaufenthalte von Studierenden der Staatlichen Kunstakademie von Tbilisi und der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) in vom Krieg 2008 betroffenen Dörfern und Flüchtlingssiedlungen der Region Shida Kartli in Georgien.

Lang dauernde Spannungen führten in dieser Region
 an der Südseite des Kaukasusgebirges im Jahr 2008
 zu einem Krieg und der de-facto Abtrennung Süd Ossetiens von Georgien.
Viele Menschen ossetischer
 oder georgischer Herkunft wurden aus ihren Häusern
 und Dörfern vertrieben. Allein auf der georgischen 
Seite der gegenwärtigen Administrativgrenze (ABL) 
leben heute zirka 20’000 Flüchtlinge (IDPs). Ein Teil
 von ihnen war bei Verwandten und in privaten
 Häusern untergekommen, vielfach in Tbilisi. Dagegen 
leben heute zirka 12’000 Menschen in 38 verschiedenen Flüchtlingssiedlungen in der Nähe der Administrativgrenze. Sie bestehen aus 60 bis 2’000 kleinen Fertighäusern, die vom georgischen Staat oder internationalen Spendern errichtet wurden. Eine dieser
 Siedlungen ist Khurvaleti, der Standort des Art-Camps.
 
In der gegenwärtigen politischen Situation zeichnet
 sich (mit der eventuellen Ausnahme der Region um
 Akhalgori) keine baldige Rückkehrmöglichkeit für die Flüchtlinge ab.
Die Menschen erhalten vom georgischen 
Staat eine kleine monatliche Unterstützung und leben vom Ertrag der kleinen Gärtengrundstücke um jedes Haus. Ihre Mobilität ist gering und
 die Arbeitslosigkeit ist höher als die ohnehin schon gravierende Arbeitslosigkeit im ganzen Land.

Das Projekt Art Camp - ein Arbeitsaufenthalt von Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und der Staatlichen Kunstakademie von Tbilisi in einer vom Georgisch-Russischen Krieg des Jahres 2008 betroffenen Region - wird in seiner dritten Ausgabe im Jahr 2015 im Dorf Zemo Nikozi fortgesetzt. Das Dorf liegt unmittelbar an der Demarkationsline und ist nicht nur wegen der grossen Zerstörungen aus diesem Konflikt, sondern auch wegen seiner Apfelproduktion bekannt.

 

Zwölf Studierende der ZHdK reisen zwischen 27.9. und 11.10. 2015 nach Georgien und treffen dort mit einer gleich grossen Gruppe Kunstschaffender aus Tiflis zusammen. In Zemo Nikozi wohnen sie bei verschiedenen Familien im Dorf und arbeiten dann, ausgehend von ihrer Position als Besucher_innen, in georgisch-schweizerisch gemischten Gruppen an kleinen Kunstprojekten zur lokalen Situation oder den Bewohner_innen. Bei den künstlerischen Arbeiten hat ein erprobendes, prozesshaftes Vorgehen Priorität gegenüber fertigen Ergebnissen. Verschiedene Medien und Arbeitsformen kommen zum Einsatz.

 

Die Ziele des Projektaufenthaltes beziehen sich einerseits auf den Ort und die lokale Bevölkerung, andererseits, für die Studierenden, auf die Struktur der Zusammenarbeiten und Begegnungen. Sie sind:

  • Schaffung von Gelegenheiten für gegenseitig respektvolle Begegnungen und gegenseitiges Interesse zwischen den besuchenden Studierenden und den Gastgeber_innen vor Ort;
  • Abwechslung oder Erweiterung für den Alltag der Bewohner_innen durch Begegnungen, künstlerisches Zusammenarbeiten oder Vorführungen;
  • Ermittlung und Thematisierung zentraler Anliegen der Dorfbevölkerung durch Kunst;
  • Die Reflexion über Sinn und Möglichkeiten eines künstlerischen Arbeitens in einer von Konflikten betroffenen Region, welches sich nicht als "humanitäre Hilfe" versteht;
  • Ein Sammeln von Erfahrungen mit einer Zusammenarbeit von Kunstschaffenden, die - zumindest teilweise - von unterschiedlichen Verständnissen und Traditionen von Kunst ausgehen.

 

Wieder begleiten die NGO "Biliki" aus Gori (geleitet von Marika Mgrebishvili), die Dozent_innen der ZHdK Franziska Koch und Dagmar Reichert, sowie Dozent_innen aus Tiflis die Durchführung des Projektes.


Vereinigung Biliki, Gori
www.biliki.ge

Staatliche Kunstakademie Tbilisi
http://art.edu.ge/

Zürcher Hochschule der Künste
www.zhdk.ch